Kaum eine stereotype Figur zieht so viele Menschen in die Kinos wie der Action-Held. Testosteron und Muskelberge, wordkarg und eher kontaktscheu - seit mehr als 30 Jahren sorgt das Action-Genre für Furore im Kino.
Den Anfang machte James Bond in den 60ern, und es kam einer Revolution des Kinos gleich. Der Agent verkörperte zwar nicht den schießwütigen Muskelprotz der späteren Jahrzehnte - aber er war zum ersten mal in der Kinogeschichte eine vermarktbare Filmfigur, deren Hauptaufgabe darin bestand, Menschen zu töten und Frauen zu verführen. Ein Markenzeichen, das sich bis heute gehalten hat: der neue James Bond, Daniel Craig, ist sogar noch brutaler als seine Vorgänger.
Die Action-Filme Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre waren geprägt von den Veränderungen der amerikanischen Gesellschaft. Der gerade stattfindende Vietnam-Krieg wurde erst viele Jahre später Schauplatz unzähliger Schießereien und Explosionen. In "Summer of Love" konzentrierten sich die amerikanischen Filmemacher darauf, den Action-Helden als wortkargen Patrioten zu inszenieren, der als Einzelgänger das Gesetz in die eigenen Hände nimmt. "Bullitt", "The French Connection" und "Dirty Harry" mit Clint Eastwood waren die Wegmarken früher Actionhelden.
Erst am Ende der 70er Jahre, als Amerika sein Vietnam-Trauma langsam überwand, trauten sich amerikanische Filmemacher und Studios, den Ein-Mann-Krieg als zentrales Element des Action-Films zu etablieren. "First Blood", der erste Rambo-Film, gilt heute als Blaupause für den modernen Actionfilm-Helden. Traumatisiert vom Krieg, vom Militär zur Kampfmaschine getrimmt und unfähig, zurück in die Gesellschaft zu finden. Heute ist der erste Rambo-Film ein Klassiker und hat unzählige Nachahmer gefunden.
Neben dem muskelbepackten Einzelgänger, einer militärischen Kampfmachine, wie sie seit Mitte der 80er Jahre von Jean-Claude van Damme, Michael Dudikoff oder Steven Seagal dargestellt wurde, entwickelte sich aber noch ein Actionhelden-Gegenpol: der des ganz normalen Bürgers, der in einer außergewöhnlichen Situation über sich hinauswachsen muss - und dabei über Leichen geht. Bruce Willis hat diese Figur mit der "Stirb Langsam"-Reihe bekannt gemacht. Schauspieler wie Mel Gibson oder Will Smith entwickelten diesen Action-Helden weiter - und verfeinerten ihn mit ihrem ganz eigenen Humor.
Ende der 90er Jahre etablierte sich noch eine ganz andere Version des Action-Helden: der asiatische Kampfsport-Künstler. Was Bruce Lee in den 70er Jahren vorgemacht hatte - er scheiterte allerdings beim Versuch, auch in Hollywood Erfolge zu feier - wurde mit Jackie Chan perfektioniert. Mittlerweile ist der zappelige Kampfsportkünstler der erfolgreichste Asiate in Hollywood - und im gesamten Action-Genre sowieso.
Eine neue Generation an Action-Helden wie Jason Statham oder Vin Diesel muss sich aber nicht nur mit schießwütigen Gegnern herumschlagen - sondern auch mit einem ganz neuen Feind: den Computer-Effekten. Und die könnten den muskelbepackten Leinwandhelden langsam überflüssig machen.