Mittlerweile drei Jahre alt und verhaltensgestört: Knut - der wohl bekannteste Eisbär der Welt.
Der beliebte Berliner Eisbär ist nach zu intensivem Kontakt zu Menschen schwer verhaltensgestört.
Knut, das kleine Eisbär-Baby, das von Hand aufgezogen werden musste, lockte im Sommer 2007 Millionen Besucher aus aller Welt in den Berliner Zoo. Gerade die enge Bindung an seinen Pfleger und die täglichen “Vorführungen”, in denen die Besucher dem kleinen weißen Fell-Bündel beim Herumtollen im Außengehege zusehen durften, waren Massenattraktionen.
Doch gerade diese frühe Fixierung und Gewöhnung an den Menschen war für Knut fatal. Inzwischen ist das Tier drei Jahre alt, ausgewachsen, alles andere als niedlich - und schwer verhaltensgestört.
Dr. Edmund Haferbeck ist für die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) aktiv. Er beobachtete alle 34 in deutschen Zoos gehaltenen Eisbären, und stellte erschreckendes fest: 27 von ihnen sind verhaltensgestört. Dies sagte der Experte gegenüber dem “Express”. Und Publikumsliebling Knut ist nach Ansicht von Haferbeck der “Durchgeknallteste.“ Schuld daran seien die Menschen.
Die Liste der von Haferbeck bei Knut beobachteten Auffälligkeiten ist lang. Zum Beispiel zeigt das Tier so genannte “Lauf-Stereotypen”, das heißt, es rennt ständig in seinem Gehege auf und ab - wohl aus Langeweile.
Außerdem stellte Haferbeck bei Knut ein erschreckend menschliches Verhalten fest. So würde der mittlerweile graue Riese immer wieder die Tatzen heben, als versuche er zu winken. Vermutlich hat er sich dieses Verhalten von den Menschen abgeguckt, die früher in Scharen vor seinem Gehege standen - und winkten.
Auch streckt Knut laut Haferbeck über 200 Mal am Tag die Zunge heraus. Das mag auf die Besucher sicherlich putzig wirken, ist aber in Wahrheit eine erhebliche Störung, ein so genannter “Tick”. Tiere in Gefangenschaft entwickeln solche Ticks aus Langeweile und bei nicht artgerechter Haltung.
PETA fordert ein sofortiges Zuchtverbot für Eisbären in Gefangenschaft. Heiner Klös, Kurator des Berliner Zoo, hält die Vorwürfe dagegen für “ lächerlich“. Knut gehe es bestens. Aber auch Tierschützer, wie der Schauspieler Hannes Jaenicke, sprechen sich durchaus für die Zucht von Eisbären in Zoos aus, da der natürliche Lebensraum der Tiere stark schrumpfe und die Art vom Aussterben bedroht sei. Deshalb sieht der Schauspieler zur Zucht der Tiere in Zoos “derzeit keine Alternative.“